Tack 01

Regen hämmerte gegen das doppelwandige Fenster zu meiner Linken. Die undichte Isolierung ließ einen unangenehmen kalten Luftzug in den Raum, in dem das Kerzenlicht unruhig flackerte.

Während draußen unter grauschwarzen Wolken Regen aus dem Himmel hernieder fiel, rutschte Armin unruhig auf seinem 80er Jahre Art Deco Stuhl hin und her, einen Schreibblock in den Fingern, an dem er die Seiten, unbeschrieben und leer auf der verästelten und rauen Oberfläche des Tisches ausbreitete. Nichts, absolut garnichts, hatte er in der letzten Stunde zusammengebracht, kein Wort, keine Zeile, nicht die gewünschte Bestseller Geschichte, die seinem Leben die erhoffte Wende geben sollte, brachte er zu Papier. Schlimmer noch, sein Kopf fühlte sich so leer und ausgesaugt an, dass er nur unruhig hin und her wippte, seinen Blick abwechselnd nach draußen richtete und kleine Regentropfen, die am Fensterglas hinunter liefen, beobachtete um alsbald wieder die leeren Blätter anzustarren.

Wenn der Kopf leer ist, fülle ihn mit Zigarettenrauch…
Der Griff zur Brusttasche seiner Jacke, unbewusst, da er wusste, wo sich die halbvolle Packung Camel Light befand, wie sich die weiche Packung in den Fingern anfühlte, das aufgerissene Ende der Papierverpackung ertastete er und holte eine Zigarette ungesehen mit den Fingerspitzen hervor. Er stand auf, der Stuhl rutsche am Parkett, und es hallte in dem nur spärlich eingerichteten Raum, der ihm als Schreibzimmer dienen sollte, als er vor gut einem Monat in diese nun verregnete und so frustrierend einsame Stadt gezogen war. Eine alte Stereoanlage stand auf der brusthohen Kommode, daneben ein paar Kerzen, Teelichter und eine dieser aus dem letzten Jahrzehnt so populär gewordenen Duftkerzenständer. Der Einschaltknopf leuchte auf, er drückte auf Play, das alte Kassettendeck setzte sich in Gang, die Magnetbänder rotierten unter der transparenten Abdeckung und melidiöse Bossa Nova Klänge unterbrachen das beständige Trommeln des Regens. Wenn er schon untergehe, dann mit guter Musik, scherzte Armin, dessen Blick weiter wandert, er suchte das Feuerzeug mit dem er die Zigarette, die zwischen seinen Lippen gepresst war anzünden wollte. Er kramte in den Schubladen der Kommode, zwischen alten Dokumenten, Kerzen, unzähligen Kassettenhüllen kramte er es schlussendlich hervor. Schwarz, klein, eine neueres Modell ohne Schleifrad, er drückte und wartete darauf, dass nachdem Klick die ersehnte orangefarbene Flamme aufsteigt und er endlich einen dieser befreienden, lang ersehnte Züge nehmen konnte. Erster Versuch, nichts. Schütteln, zweiter Versuch, ein dumpfes Klick aber keine Flamme. Entnervt probierte er es noch ein paar Mal, ohne Erfolg. Das Feuerzeug verschwand wieder in einer der Schubladen, so sehr es ihm widerstrebte momentan die Wohnung zu verlassen, er musste wohl oder übel in die Trafik an der Ecke um Feuer zu holen. Aber er brauchte mehr als das.
Er brauchte eine Idee. Und Feuer.

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