Island, das ist jetzt aber nicht dein Ernst?!

Beim Blättern von Reisemagazinen, dem Durchforsten verschiedenster Blogs und Instagram-Profile und einschlägigen Dokus im TV wird die Landschaftsvielfalt Islands immer wieder hervorgehoben. „Photoshop kann jeder“, denkt sich unsereiner und relativiert die farbenprächtigen Naturszenarien. Dass es aber ganz und gar keiner Bildbearbeitung und aufwendiger Post-Produktion bedarf um die isländische Natur so atemberaubend darzustellen, erfahren wir schon in den ersten Tagen unserer Rundreise. Baff starren wir zu allen Seiten aus dem Auto:“Iceland, are you fucking serious?!“

Von meterhohen Steilwänden donnern die Wassermassen hinunter, am Boden spritzen sie unter tosendem Lärm davon – nicht beeindruckend genug? Just in diesem Moment – man ist ja heutzutage Youtube und „Universum“ verwöhnt – lugt die Mittagssonne über den Felsvorsprung und taucht Islands größten Wasserfall in goldenes Mittagslicht. Ein Regenbogen tanzt in weitem Bogen über uns hinweg. Kitschig – definitiv. Absolut surreal – JA!

Der Weg rings um den Wasserfall ist glitschig aber möglich – auf die Sicherheit wird hingewiesen, aber so richtig zuständig fühlt sich in Island niemand. Unter glitschig matschiger Erde ragen einzelne Steine und Felsen hervor, scharfkantig und gefährlich, sollte man doch einmal ausrutschen. Und das kann durchaus passieren, wenn A) man wie alle Touristen ständig mit vollem Kameraequipment herumspaziert, B) man ohne quasi alles im Sucher der Kamera wahrnimmt und solch Nebensächlichkeiten, wie Felsvorsprünge, unebene Stellen und Stufen übersieht und zuguter Letzt C) wenn man seinen Blick einfach nicht von dem Schauspiel loseisen kann.

Als ob man es sich teilweise selbst nicht erklären kann, wieso man jetzt in diesem Moment in den Genuss kommt, solch wunderschöne Landschaften zu sehen. Blinzeln wagt man ohnehin nicht – vielleicht ist dieser Moment dann ja schon vorbei…

Gestern habe ich noch vom „Landschaftsgärtner“ Gott gesprochen und wie er wohl in einem Anfall jugendlichen Übermuts Island geformt hat. Denn die Zahl unterschiedlicher Naturerscheinungen, die uns hier innerhalb kürzester Zeit untergekommen ist, ist schlichtweg unglaublich.

Wasserfall – ja, kennt man. Weitläufige Ebenen – kenne ich aus Herr der Ringe. Aber was ist mit Felsformationen, die hunderte Meter emporragen und ganze Landstriche durchschneiden, optisch wie auch landschaftlich. Wenn zum Fuß des Felsens noch saftig grüne Wiesen Schafe beherbergen und dahinter schroffe und mit Vulkangestein verkargte Einöde erscheint und alles bis zum Rand des Horizonts in fahles braun-schwarz färbt.

Wenn sich plötzlich Vulkane auftun, Gletschermassive ihre Zungen bis in die Ebene vorstrecken und sich in Seen ganze Eisschollen tummeln. Wenn es plötzlich bunt wird und man grüne Wiesen, braune Felswüsten und blaue Gletscher erkennt. Ja, dann sollt man seinen Blick einfach abwenden – mal nach rechts in Richtung Meer schauen. Denn da war ja noch etwas, der unwirtliche Atlantik der Welle um Welle gegen die Küsten schickt, laut zerschellen und brechen sie eh am schwarzen Sandstrand der Südküste Islands.

Lächerlich kitschig klingt jede Beschreibung. Außenstehenden wird es schwer fallen, diese Superlative zu verstehen und zu glauben. All jene, die vor Ort in den Genuss dieser Vielfalt kommen, wissen, Island hat sich keinen Scherz erlaubt. Island ist „leider geil“.

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