Ab in den Urlaub

Raus aus dem Büro – vergessen wir den Alltag – der Rucksack ist gepackt. Stift, Papier, Kamera, ein paar Unterhosen und der Pass ist dabei. Mehr braucht man nicht. Oder doch?


Wir werden es herausfinden, wenn es in den nächsten Tagen in den hohen Norden geht. Island ist das Ziel der Reise. Oder zumindest eine Zwischenstation auf dem Weg zu Zwölf. Noch sind wir nicht am Ziel – das gibt es ja auch nicht. Selbst nach 90 Minuten Fußball ist vielleicht das Spiel beendet, aber die Meisterschaft nicht entschieden. (Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regeln – aber die Metapher passt halt einfach 🙂 ) Der erste Schritt ist der wichtigste – den habe ich getan, der Griff zur Türe, den Liftknopf gedrückt und Team, Arbeit, Kunden, Projekte hoffentlich hinter mir gelassen, in der Zuversicht meinen Kopf etwas freizubekommen. Platz zu schaffen: Für neue Eindrücke, etwas anderes, dass sich nicht mit kreativen Online-Kampagnen, Budgets, Fans, Likes, Gewinnspielen oder ROI erklären lässt. Ausmisten, aufräumen – Urlaub ist ja doch auch so etwas wie der seelische Entrümpelungsdienst. Wie gut sie das bewerkstelligen, wird sich zeigen. Aber die Hoffnung stirb bekanntlich zuletzt. (Schnulzige Metapher Nr. 2 !)

Also raus aus dem stressigen Büroalltag – wir, also mein Geist und die schon recht ausgelaugte fleischliche Hülle, verlassen Wien und brechen morgen, 12:45 Ortszeit, nach Island auf. Wieso gerade Island? Es waren sicher nicht die isländischen Fußball-Momente, die scheinbar on- und offline Welt gleichermaßen verzückt hat, es sind auch nicht die tausende Hippster-Guides, die Island noch gewisse Backpacker und Individual-Reise Qualitäten nachsagen. Es sind ganz bestimmt nicht, die meteorologische Aussicht auf Temperaturen im einstelligen Bereich, plötzliche Schneefälle, permanente Regen- und Aschesturmgefahr. Es ist auch die herzliche Art der Einheimischen, ein wenig mehr als 300.000 bevölkern die Insel, – ich glaube und da halte ich mich noch recht kurz: Es ist einfach der Wunsch an einen möglichst rudimentären Ort zu fahren, an dem es nicht 24/7 etwas zu erleben gibt, der nicht in der always-on Gesellschaftsdynamik zuhause ist, zumindest mir nicht die Möglichkeit bietet, online und erreichbar zu sein.

Es geht wohl darum, wie im Kindesalter verstecken zu spielen und Island erschien mir als gutes Versteck – zumindest in meiner aktuellen Lage. Ich fühle mich ausgelaugt und all die kleinen Aufgaben, Pflichten, Möglichkeiten und Dinge, die man in Wien machen kann, werden mit zunehmend schwindenden Energien zu Verpflichtungen. Hier noch mit Freunden etwas trinken gehen, da noch kurz einkaufen, diesen Film muss man sehen und in diese Ausstellung sollte man auch noch gehen, bevor sie endgültig ihre Pforten schließt. Und daneben, mal wieder mit Mutter telefonieren, Haushalt – zumindest was davon übrig ist – erledigen und seine Beziehung, ja die gibt es ja auch noch, pflegen und hegen. Kurzum: Freizeit wird zur Freipflicht.

Man muss ja schließlich das Wochenende, den Feierabend – also die spärliche Zeit, die man neben der Zeit im Hamsterrad „Arbeit“ zur Verfügung hat – nützen. Blöd nur, wenn der Körper einfach sagt, dass er zuhause bleiben will und schlafen. Ach, wann habe ich das letzte Mal eigentlich ohne schlechtes Gewissen auf der Wohnzimmer-Couch gelegen und bin so klang- und sanglos eingepennt. Daneben Trash-TV – unheimlich gutes Mittel um schnell wegzudösen.

Ab morgen ist das zwar auch nicht möglich, aber ich kann in der Einsamkeit dieser großen Insel zumindest selbst das Tempo vorgeben. Gutes Stichwort: Geschwindigkeit. Es nervt mich zunehmend, wie sich der Alltag zu einem immer schneller drehenden Kreisel wandelt, in all die oben genannten Dinge immer schneller und kürzer erledigt werden sollen. Schnell noch das, und kurz noch da reinschauen. Am Ende des Tages ist man vom Freizeit-Speed-Dating nur noch erledigter, als vorher. War doch toll mal wieder alle zusehen? Ja klar, aber zu mehr als „Wie gehts dir? Was machst du“ hat es nicht gereicht. Wir hetzen durch unser Leben, obwohl es laut Studien (hier stellt ihr euch bitte einfach einen Link zu einer wissenschaftlichen Studie über die steigende Lebenserwartung in mitteleuropäischen Ländern vor) ja bekanntlich immer länger dauern wird.

Also was erwarte ich mir von der Reise?
Ein wenig von allem, aber vor allem, dass der Alltag etwas langsamer wird. Der Entrümpelungsdienst braucht ja schließlich auch ein wenig Zeit bis er sich geordnet hat und in hohem Bogen, den ganzen angesammelten Kram weggeworfen hat. Also auf dann. Wir sehen uns in der Slow-Motion.

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